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Rebalancing bei Kursschwankungen: manuell oder automatisch anpassen?

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Markus B.
Beiträge: 26
Themenstarter
(@markus8268)
Eminent Member
Beigetreten: Vor 4 Monaten
[#147]

Hallo zusammen,

ich beschäftige mich gerade damit, wie ich mein zukünftiges Altersvorsorgedepot ab 2027 konkret verwalten möchte. Einer der Punkte, bei dem ich noch keine klare Linie habe, ist das Thema Rebalancing. Also: Wie oft bringt ihr euer ETF-Depot wieder auf die ursprüngliche Gewichtung zurück?

Ich habe gelesen, dass manche Leute das jährlich machen, andere halbjährlich, und wieder andere nur dann, wenn eine bestimmte Abweichung überschritten wird – also z.B. wenn eine Position mehr als 5 Prozent vom Zielwert abweicht. Was ist da eigentlich sinnvoller?

Meine Überlegung ist, dass ich mit einem einfachen 80/20 Portfolio starten will (hauptsächlich Welt-ETF, kleiner Anteil Anleihen oder alternatives Asset). Jetzt frage ich mich: Wenn ich das zu selten rebalance, laufe ich Gefahr, dass die Aktienquote nach einem Bullenmarkt durch die Decke geht und ich mehr Risiko trage als gewollt. Wenn ich es aber zu oft mache, entstehen vielleicht unnötige Transaktionskosten oder steuerliche Nachteile, auch wenn das beim Altersvorsorgedepot ja etwas anders gehandhabt wird als beim normalen Depot.

Gibt es da eine Art Faustregel, die für Langzeitsparer wie mich sinnvoll ist? Oder kommt es wirklich stark auf die eigene Risikobereitschaft an? Bin für jeden Erfahrungsbericht dankbar.

Markus


5 Antworten
Tobias K.
Beiträge: 21
(@tobiask92)
Eminent Member
Beigetreten: Vor 4 Monaten

Gute Frage, hab mich selbst schon damit auseinandergesetzt bevor das Depot überhaupt startet. Ich bin inzwischen bei der Schwellenwert-Methode gelandet – also nicht nach Kalender, sondern wenn eine Position z.B. 5 % vom Ziel abweicht. Der Grund: Man vermeidet unnötige Aktionen in ruhigen Marktphasen, reagiert aber trotzdem wenn's wirklich nötig ist. Beim Altersvorsorgedepot ist der Steuervorteil beim Rebalancing ja tatsächlich ein echter Pluspunkt gegenüber einem normalen ETF-Depot – da fallen innerhalb des Depots ja keine Steuern auf Umschichtungen an, soweit ich das verstanden hab. Das macht die Hemmschwelle zum Rebalancen deutlich niedriger. Ich hab in einem anderen Thread schon über typische Anfängerfehler geschrieben, da war auch Überhandeln ein Thema. Weniger ist oft mehr.


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Sabine91
Beiträge: 57
(@sabine91)
Trusted Member
Beigetreten: Vor 5 Monaten

Ich seh das ehrlich gesagt ein bisschen anders als RentenPro47 oben. Jährliches Rebalancing klingt gut, aber ich glaube das hängt stark davon ab, wie stark die eigene Sparrate noch ins Gewicht fällt. Wenn ich z.B. monatlich 200 € einzahle und der Gesamtdepotstand bei 5.000 € liegt, kann ich alleine über die Sparrate sehr gut steuern welche Position ich nachkaufe – ohne eine einzige Umschichtung. Das ist steuerlich und kostentechnisch das Eleganteste.

Erst wenn das Depot deutlich größer wird und die monatliche Rate im Verhältnis klein ist, macht aktives Rebalancing durch Verkauf wirklich Sinn. Ich hab mich zu Kosten im Altersvorsorgedepot schon länger eingelesen – hier im Kosten-Thread haben wir das ganz gut durchgekaut. Immer erst mit der Sparrate nachsteuern, bevor man umschichtet.


Antwort
RentenPro47
Beiträge: 41
(@rentenpro47)
Trusted Member
Beigetreten: Vor 5 Monaten

Aus meiner Erfahrung – ich beschäftige mich schon lange mit Altersvorsorge – würde ich sagen: Einmal im Jahr reicht für die allermeisten Privatanleger völlig aus. Öfter als das schafft meistens nur mehr Aufwand und die Gefahr, zu viel in den Markt hineinzuinterpretieren.

Was ich noch ergänzen möchte: Bei eurem 80/20 Depot mit Aktien und Anleihen ist Rebalancing noch wichtiger als bei einem reinen Aktien-ETF, weil die beiden Assetklassen unterschiedlich stark auf Marktphasen reagieren. Wenn Aktien stark steigen, kann die Anleihenquote auf 10 % schrumpfen ohne dass man es merkt – und dann trägt man plötzlich deutlich mehr Risiko als geplant.

Ein Kalender-Termin ist da wirklich praktisch. Manche machen das im Sommer zur Ferienzeit, andere im Januar. Hauptsache man tut es überhaupt.


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VorsorgeMentor67
Beiträge: 49
(@vorsorgementor67)
Trusted Member
Beigetreten: Vor 5 Monaten

Sabine hat das gut auf den Punkt gebracht. Solange die Sparrate groß genug ist im Verhältnis zum Depotwert, ist Cash-Flow-Rebalancing die eleganteste Lösung – einfach die monatliche Einzahlung gezielt in die untergewichtete Position lenken.

Darüber hinaus würde ich grundsätzlich empfehlen: Legt euch eine klare Bandbreite fest, z.B. ±5 Prozentpunkte vom Zielwert. Wird diese Grenze überschritten – auch außerhalb des Jahrestermins – dann handelt man. Kombination aus Kalender und Schwellenwert also. Das schützt vor echten Schieflagen ohne in hektisches Überhandeln zu verfallen.

Beim Altersvorsorgedepot ab 2027 ist der steuerliche Rahmen für Umschichtungen innerhalb des Depots tatsächlich vorteilhaft – das nimmt viel Druck raus. Trotzdem: Weniger Transaktionen bedeuten weniger Reibungsverluste durch Spreads und eventuelle Ordergebühren. Kühlen Kopf bewahren – auch im Hochsommer wenn die Märkte vielleicht mal unruhig werden.


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