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Kaufkraftverlust selbst berechnen – welche Tools und Faustformeln nutzt ihr?

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VorsorgeFuchs28
Beiträge: 40
Themenstarter
(@vorsorgefuchs28)
Trusted Member
Beigetreten: Vor 5 Monaten
[#70]

Hey zusammen,

ich stehe gerade vor meiner ersten größeren Altersvorsorge-Entscheidung und versuche zu verstehen, wie ich den Kaufkraftverlust über die nächsten 35-40 Jahre überhaupt sinnvoll einschätzen kann. Ich bin 28 und will das Altersvorsorgedepot ab 2027 nutzen, aber bevor ich mich festlege möchte ich erstmal verstehen was Inflation konkret mit meinem Geld macht.

Ich habe ein bisschen rumgegoogelt und bin auf verschiedene Online-Rechner gestoßen, aber die liefern teils völlig unterschiedliche Ergebnisse. Manche fragen nach Nominalrendite, manche nach Realrendite, und ich bin mir ehrlich gesagt nicht sicher ob ich das richtig einsetze.

Gibt es Faustformeln die ihr im Alltag nutzt? Ich hab was von der "72er-Regel" gelesen, also dass man 72 geteilt durch den Zinssatz nimmt um zu wissen wann sich etwas verdoppelt. Aber gilt das auch umgekehrt für Inflation und Kaufkraftverlust?

Außerdem: Macht es Sinn solche Berechnungen schon jetzt vor dem Depotstart 2027 anzustellen, oder ändert sich durch die staatliche Förderung die Rechnung so stark dass man erstmal abwarten sollte?

Freue mich über praktische Tipps, gerne auch mit konkreten Beispielen. Ich bin kein Zahlenprofi aber lerne schnell 🙂


4 Antworten
Markus W.
Beiträge: 11
(@markus52)
Active Member
Beigetreten: Vor 3 Monaten

Kurze Ergänzung zur 72er-Regel: Sie ist eine Näherung, wird aber genauer wenn du stattdessen 69,3 nimmst (das ist der echte mathematische Wert). Für grobe Überschlagsrechnungen spielt das keine Rolle, aber wenn man es wissen will.

Für ernsthafte Planungen empfehle ich dir zusätzlich den Begriff "Fisher-Gleichung" nachzuschlagen. Vereinfacht: Realrendite ≈ Nominalrendite minus Inflation. Also wenn dein ETF-Depot langfristig 7% nominal macht und die Inflation bei 2,5% liegt, sind das real etwa 4,5% Kaufkraftzuwachs. Klingt simpel, aber man vergisst es erstaunlich oft.

In einem anderen Thread hab ich das speziell in Bezug auf ETF-basierte Vorsorgelösungen schon mal ausführlicher diskutiert.

Was Tools angeht: ich bin skeptisch gegenüber den meisten Online-Rechnern weil man die Annahmen nicht sieht. Eigene Tabelle mit dokumentierten Szenarien schlägt alles. Im Sommer hat man ja vielleicht mal einen Abend Zeit dafür.


Antwort
Marcus H.
Beiträge: 21
(@marcusheld)
Eminent Member
Beigetreten: Vor 4 Monaten

Klaus hat einen Punkt, aber ich würde das nicht ganz so pauschal sagen. Wer die Mechanismen nicht versteht, trifft beim Depotstart auch schlechtere Entscheidungen – zum Beispiel bei der Frage Nominal- vs. Realrendite in der Auszahlungsplanung.

Zur eigentlichen Frage: Ich nutze für schnelle Überschläge die Formel Kaufkraftverlust nach n Jahren = (1 - 1/(1+i)^n) × 100. Klingt kompliziert, ist in Excel aber eine Zeile. Bei 2,5% Inflation über 35 Jahre verliert der Euro rund 58% seiner Kaufkraft – du brauchst also grob 2,4 Euro um das zu kaufen was heute 1 Euro kostet. Das ist der Wert den du im Hinterkopf behalten solltest wenn du Sparzielen planst.

Die nachgelagerte Besteuerung im neuen Depot ändert übrigens die effektive Nettorendite nach Steuern – aber das ist ein eigenes Thema. Ich hab dazu an anderer Stelle schon mehr dazu geschrieben.


Antwort
Heinrich_1952
Beiträge: 49
(@heinrich_1952)
Trusted Member
Beigetreten: Vor 4 Monaten

Die 72er-Regel funktioniert tatsächlich in beide Richtungen – du kannst sie auch für die Inflation nutzen. Bei 3% Inflation teilst du 72 durch 3 und bekommst 24 Jahre: so lange dauert es, bis dein Geld nur noch die Hälfte wert ist. Das ist keine exakte Wissenschaft, aber als Daumenregel zum Veranschaulichen sehr hilfreich.

Ich nutze persönlich den Inflationsrechner des Statistischen Bundesamts als Ausgangsbasis, der ist zumindest transparent was die Datengrundlage angeht. Für Langfrist-Projektionen nehme ich dann einfach selbst eine Tabelle in Excel mit zwei Szenarien: einmal 2% und einmal 3,5% Inflationsannahme. Der Unterschied über 35 Jahre ist erschreckend groß.

Was die Förderung im neuen Depot angeht: Die staatliche Grundzulage ändert die Realrendite-Rechnung natürlich zugunsten des Sparers, weil sie quasi sofort wirksam wird. Aber den Kaufkraftverlust rechnet man sinnvollerweise unabhängig davon – erst real rechnen, dann Förderung draufschlagen. Dazu hatte ich auch schon mal was zum Tagesgeld-Vergleich beigetragen, wo das Realzins-Thema kurz auftauchte. Mit 28 hast du jedenfalls einen enormen Zeitvorteil beim Zinseszins – den solltest du nicht unterschätzen.


Antwort
Sarah K.
Beiträge: 48
(@vorsorgeneuling)
Trusted Member
Beigetreten: Vor 4 Monaten

Oh, die 72er-Regel kannte ich gar nicht! Danke dafür.

Ich hab mich ehrlich gesagt noch nicht so tief damit beschäftigt, weil mir schon die Grundlagen zum neuen Depot noch fehlen. Aber ich hab mal den Rentenrechner der Stiftung Warentest ausprobiert, der ist ganz okay zum Einstieg find ich. Zumindest kann man da verschiedene Inflationsraten eingeben und sehen was hinten rauskommt.

Was mich dabei immer verwirrt: ob die angezeigten Ergebnisse schon "real" sind oder noch nominal. Da stehe ich selbst noch auf dem Schlauch ehrlich gesagt. Wenn du das rausfindest sag gern Bescheid!


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