Hallo zusammen,
ich bekomme in meiner Beratungspraxis immer wieder die gleiche Frage gestellt: "Markus, wie viel Prozent Rendite muss ich denn wirklich erwirtschaften, damit meine Altersvorsorge nicht einfach durch die Inflation aufgebraucht wird?"
Das Problem ist: Viele meiner Mandanten verwechseln nominale und reale Rendite. Sie sehen 4% Zinsen auf dem Sparbuch und denken, das ist gut – bis sie merken, dass die Inflation das aufzehrt.
Für das neue Altersvorsorgedepot ab 2027 stelle ich mir konkret folgende Frage: Wenn ich mit einer durchschnittlichen Inflation von 2-2,5% pro Jahr rechne (realistisch für Deutschland, oder?), wie hoch muss meine jährliche Gesamtrendite (inklusive Grundzulage) mindestens sein, um am Ende tatsächlich kaufkraftgerecht vorgesorgt zu haben?
Geht ihr da eher konservativ vor oder kalkuliert ihr mit höheren Inflationsszenarien? Und wie berücksichtigt ihr die Effektivkosten des Depots dabei – werden die ja auch von der nominalen Rendite abgezogen, bevor es an die echte Kaufkraft geht.
Freue mich auf eure Perspektiven!
Markus, darf ich da ehrlich widersprechen? Ich habe mir die Entwicklung klassischer Rentenprodukte in der Niedrigzinsphase angeschaut und bin zu dem Ergebnis gekommen: Wer nur auf Inflationsausgleich setzt, verschenkt Chancen. Klassische Versicherungsprodukte mit garantiertem Zins (sagen wir 2-2,5%) plus ETF-Anteil (zielend auf 5-6%) ergeben gemischt eine solide 3,5-4,5% Nominalrendite. Das ist realistischer als rein auf Aktien-ETFs zu setzen und danach zu beten, dass die 5-6% halten. Die psychologische Komponente zählt genauso wie die mathematische.
Super Beispiele hier schon. Aus strategischer Sicht würde ich noch einen Punkt ergänzen: Die Rahmenbedingungen der Reform 2027 sind ja so gestaltet, dass die Förderung selbst als Rendite wirkt. Wer die Grundzulage + eventuell Kinderzulage richtig kalkuliert, kann über die gesamte Spardauer effektiv eine 1-2% höhere Jahresrendite "generieren" – ohne zusätzliches Investitionsrisiko. Das sollte in der Realrendite-Berechnung nicht vergessen werden. Wer von euch berücksichtigt die Zulage eigentlich schon in der Kalkulation oder ist das zu abstrakt?
Gute Frage, Markus. Ich würde da pragmatisch vorgehen: Für ein gemischtes Depot mit ETF-Anteil rechne ich persönlich mit 4-5% nominale Jahresrendite ein. Bei 2% Inflation bleiben real 2-3% über, das reicht mir für den Kaufkrafterhalt. Die Grundzulage ist dann sozusagen das Puffer-Extra. Wichtig: Die Effektivkosten genau prüfen – manche Anbieter futtern da schnell 0,5-1% weg, das merkst du erst über 40 Jahre. Hast du für 2027 schon konkrete Anbieter auf dem Radar?
Ich sehe das ähnlich wie Thomas, aber mit einer Einschränkung: Wenn man davon ausgeht, dass die EZB-Politik eher lockerer bleibt, können wir nicht automatisch mit 4-5% rechnen. Meine Excel-Tabelle (die ich in einem früheren Thread mal geteilt habe) zeigt: Bei konservativer Annahme (2% Inflation, 3% Nominalrendite) brauchst du die Zulage wirklich als aktiven Inflationsausgleich. Viele unterschätzen, wie wichtig die Förderung wirklich ist – das ist echte Rendite ohne Risiko.