Hallo zusammen,
ich beschäftige mich derzeit intensiv mit dem AltZertG und den gesetzlichen Anforderungen an zertifizierte Altersvorsorgeprodukte für 2027. Dabei bin ich auf die Frage gestoßen, ob Faktor-ETFs (Value, Momentum, Growth) wirklich ins Geförderte Altersvorsorgedepot gehören oder ob das eher ein überflüssiger Luxus für Optimierer ist.
Auf der einen Seite liest man überall, dass Faktor-Prämien langfristig zusätzliche Rendite bringen sollen. Auf der anderen Seite: Im Altersvorsorgedepot geht es doch um nachgelagerte Besteuerung und solide Vermögensaufbau, nicht um Market Timing oder Faktor-Timing, oder?
Meine konkrete Frage: Machen Faktor-ETFs für jemanden, der ab 2027 mit moderatem Einkommen regelmäßig sparen will, wirklich einen messbaren Unterschied? Oder bin ich mit einem breit gestreuten MSCI-World-ETF nicht längerfristig besser bedient?
Wie seht ihr das? Gibt es da auch Regelungen im AltZertG, die bestimmte Faktor-ETFs bevorzugen oder ausschließen?
Danke für eure Erfahrungen!
Das ist eine sehr berechtigte Frage. Ich habe verschiedene ETF-Strategien für das Altersvorsorgedepot 2027 durchgerechnet – und dabei systematisch die Kostenstrukturen, Rebalancing-Effekte und langfristigen Renditeerwartungen verglichen.
Mein Ergebnis: Faktor-ETFs im Depot 2027 machen nur Sinn, wenn Sie zwei Bedingungen erfüllen können: (1) Sie verstehen wirklich, welche Faktoren Sie eingehen und warum, (2) Sie halten diese Übergewichtung diszipliniert 20+ Jahre durch – auch in Phasen, wo dieser Faktor Jahre hintereinander underperformt.
Die meisten Sparer, die ich kenne, crashen spätestens nach 5-7 Jahren schlecht laufenden Jahren bei ihrer Faktor-Wette. Dann ist es psychologisch destruktiv. Ein breiter MSCI-World ETF mit 0,12–0,20% TER ist für >95% der Saveleder die richtige Wahl. Klar, Sie verzichten vielleicht auf 0,3–0,8% theoretische Mehrrendite pro Jahr – aber Sie gewinnen Klarheit und Durchhaltestabilität. Das ist real mehr wert.