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Risikoprofil fürs neue Depot: Woher weiß ich, was wirklich zu mir passt?

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VorsorgePro58
Beiträge: 60
Themenstarter
(@vorsorgepro58)
Trusted Member
Beigetreten: Vor 5 Monaten
[#60]

Hallo zusammen,

ich beschäftige mich gerade intensiver mit dem neuen Altersvorsorgedepot, das ja ab 2027 starten soll. Eigentlich wollte ich das in Ruhe im Urlaub durchdenken, aber bei der Hitze draußen sitze ich lieber drin und lese mich durch Foren und Gesetzestexte.

Mein konkretes Problem: Ich finde es schwierig, mein eigenes Risikoprofil realistisch einzuschätzen. Die meisten Ratgeber schreiben ja, man solle sich fragen, ob man Kursschwankungen "aushalten" kann. Aber das ist doch sehr theoretisch, oder? Im Boom denkt jeder, er ist ein Draufgänger. Wenn es dann wirklich 25% nach unten geht, sieht das wieder ganz anders aus.

Ich frage mich konkret: Gibt es irgendeine strukturierte Methode, wie man das Risikoprofil für so ein langfristiges Depot seriös bestimmt – jenseits von diesen Kurzfragebögen der Banken, die ja oft eher dazu dienen, sich rechtlich abzusichern? Und sollte das Risikoprofil eigentlich hauptsächlich von der Restlaufzeit bis zur Rente abhängen, oder spielen persönliche Faktoren (z.B. vorhandenes Vermögen, laufende Verbindlichkeiten, Familie) eine genauso große Rolle?

Ich frage deshalb jetzt schon, weil ich bis zum Start 2027 noch etwas Vorlaufzeit habe und das wirklich fundiert angehen möchte, bevor ich überstürzt irgendwas auswähle. Freue mich auf eure Einschätzungen!


2 Antworten
Klaus-Hartmann
Beiträge: 30
(@klaus-hartmann)
Trusted Member
Beigetreten: Vor 4 Monaten

Gute Frage, die ich mir auch schon gestellt hab. Die Bankenfragebögen sind in der Tat meist nur MiFID-Pflichtübung und sagen wenig über das tatsächliche Risikotragvermögen aus.

Was ich für sinnvoller halte: Man sollte zwei Dinge sauber trennen, nämlich erstens die Risikotragfähigkeit (wie viel Verlust kann ich finanziell verkraften, ohne in existentielle Not zu geraten?) und zweitens die Risikotoleranz (wie viel psychologischer Stress mache ich mir bei Kurseinbrüchen?). Beides zusammen ergibt erst ein realistisches Bild.

Für die Risikotragfähigkeit lohnt sich ein ehrlicher Kassensturz: Wie hoch ist mein Notgroschen? Gibt es laufende Verbindlichkeiten? Habe ich sonstige Altersversorgung (gesetzliche Rente, Betriebsrente)? Wer dort schon gut aufgestellt ist, kann im Depot offensiver vorgehen, weil das Depot nicht die einzige Stütze im Alter ist.

Die psychologische Seite ist schwerer zu messen. Ein Trick, den ich irgendwo gelesen hab: Man rechnet sich konkret aus, was z.B. 30% Einbruch in absoluten Euro bedeuten würde – nicht in Prozent. 30% von 50.000 Euro klingt abstrakt, 15.000 Euro weg klingt brutal. Wer damit ruhig schlafen kann, darf offensiver planen.

Die Restlaufzeit bis zur Rente ist natürlich trotzdem ein zentraler Faktor, aber eben nicht der einzige. Ich verfolge das Thema schon länger – auch im Zinsen-Thread hab ich mich dazu schon mal geäußert: Wo trackt ihr eigentlich laufend die Zinsen für 2027?


Antwort
Werner K.
Beiträge: 30
(@werner-kstner)
Trusted Member
Beigetreten: Vor 4 Monaten

Ich seh das etwas anders als Klaus-Hartmann oben – nicht grundsätzlich, aber ich würde den persönlichen Faktoren noch mehr Gewicht geben als der Laufzeit.

Die klassische Faustregel "je jünger, desto offensiver" stimmt zwar tendenziell, aber sie blendet aus, dass jemand mit 40 Jahren, drei Kindern, laufendem Immobilienkredit und ohne sonstige Rücklagen vielleicht weniger Risiko verträgt als jemand mit 55 Jahren, abbezahltem Haus und guter gesetzlicher Rente in Sicht.

Für die konkrete Bestimmung: Ich hab das für mich so gemacht, dass ich mir überlegt habe, welchen Anteil des Depots ich notfalls 10 Jahre lang nicht anrühren würde und gleichzeitig mental "abschreiben" könnte, ohne in Panik zu verfallen. Genau dieser Betrag ist mein "offensiver Teil".

Als ich mich mit ETF-Kriterien für das Altersdepot beschäftigt hab – da ging's auch um Risikoeinstufung – war das für mich der eigentliche Startpunkt für die Risikodiskussion: MSCI World ETF fürs Altersvorsorgedepot – welche Kriterien muss er erfüllen?

Kurzfassung: Kein universelles Patentrezept, aber der ehrliche Kassensturz ist ein guter Anfang.


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