Hallo zusammen,
ich beschäftige mich gerade intensiver mit der Planung meiner späteren Entnahme aus dem Altersvorsorgedepot. Das Depot startet ja bekanntlich erst 2027, aber ich finde es sinnvoll, schon jetzt die Mechanik zu verstehen – damit ich von Anfang an die richtigen Weichen stelle.
Konkret geht es mir um die Entnahmerechner, die manche Broker und auch unabhängige Seiten schon anbieten. Ich hab verschiedene ausprobiert, aber ich bin mir nicht sicher, ob ich die Parameter richtig befülle. Zum Beispiel:
- Welcher Entnahmezeitpunkt ist realistisch anzusetzen? Depotlaufzeit endet ja nicht automatisch mit Rentenbeginn, oder?
- Rechnet man beim "Depotwert bei Entnahmestart" mit dem Nominalwert oder sollte ich den inflationsbereinigt eingeben?
- Was passiert bei diesen Rechnern, wenn ich unregelmäßige Teilverkäufe simulieren will – also nicht monatlich gleichmäßig, sondern mal mehr, mal weniger?
- Wie berücksichtige ich Kursschwankungen realistisch? Viele Rechner scheinen einfach mit einer fixen Jahresrendite zu arbeiten, was mir zu optimistisch vorkommt.
Ich frage mich, ob ich mit den Standardeinstellungen dieser Tools überhaupt sinnvolle Ergebnisse bekomme, oder ob ich da systematisch falsch plane.
Hat jemand Erfahrung, welche Eingaben bei Entnahmerechnern wirklich den größten Unterschied machen? Und gibt es Parameter, die die meisten Leute vergessen oder falsch setzen?
Danke schon mal!
Da muss ich TechMax teilweise widersprechen bzw. ergänzen: Monte-Carlo ist schön und gut, aber für die meisten Privatanleger ist das Ergebnis so volatil in der Darstellung, dass man am Ende mehr verwirrt als aufgeklärt ist. Ich hab schon Beratungsgespräche erlebt wo Leute nach einer Monte-Carlo-Simulation erst recht nicht mehr wussten was sie tun sollen.
Für die konkrete Frage von Stefan: Der Parameter mit dem größten Einfluss ist aus meiner Sicht schlicht die geplante Entnahmedauer. Alles andere – Rendite, Inflationsrate, Steuer – sind wichtig, aber eine falsch angesetzte Laufzeit von sagen wir 15 statt 25 Jahren verändert das Ergebnis dramatischer als ein Renditeunterschied von 1%.
Zur unregelmäßigen Entnahme: Das lässt sich in den meisten Standardrechnern tatsächlich nicht abbilden. Manche haben zumindest eine Option für einen einmaligen Sonderbedarf (Pflege, Renovierung o.ä.), aber freie Variabilität gibt es kaum. Excel bleibt da wirklich die flexibelste Lösung, auch wenn es mehr Aufwand bedeutet.
Ich schau mir das eher aus technischer Sicht an. Die meisten öffentlichen Entnahmerechner arbeiten mit simplen geometrischen Mittelwerten – das ist mathematisch korrekt für den Erwartungswert, bildet aber die Realität schlecht ab weil Sequence-of-Returns-Risiko komplett ignoriert wird.
Das ist ein echtes Problem: Wenn du mit 67 in Rente gehst und die ersten drei Jahre schlechte Börsenrenditen hast, dann verkaufst du zwangsläufig mehr Anteile für denselben Entnahmebetrag. Das holt sich der Rechner mit fixer Rate nie zurück, egal wie gut die späteren Jahre laufen.
Für eine halbwegs realistische Simulation bräuchtest du eigentlich einen Monte-Carlo-Rechner der historische Renditeschwankungen simuliert. Auf einigen englischsprachigen Seiten (Portfolio Visualizer z.B.) gibt es sowas, auf Deutsch ist mir da nichts Wirklich Brauchbares bekannt.
Zur Frage Nominal vs. Real: Ich würd grundsätzlich immer mit Realwerten arbeiten, also Inflation rausrechnen. Sonst vergleichst du Äpfel mit Birnen über 20-30 Jahre.
Ich bin zwar kein Techniker wie TechMax hier, aber ich lese solche Beiträge aufmerksam mit – auch wenn ich selbst noch ein paar Jahre bis zur Rente vor mir habe.
Was ich aus eigener Erfahrung sagen kann: Man unterschätzt leicht, wie lange man tatsächlich entnimmt. Ich kenne Menschen aus meinem Umfeld die mit 67 in Rente gegangen sind und jetzt mit über 80 noch sehr aktiv sind. Da reden wir schnell von 20 Jahren Entnahmephase. Wenn ein Rechner da zu optimistisch rechnet, wird das Depot früher leer als erwartet.
Ich hab früher mal einen Beitrag geschrieben über den frühen Start beim Altersvorsorgedepot (hier der Thread), da ging es zwar ums Ansparen, aber das Prinzip ist dasselbe: Der Zeitfaktor wird systematisch unterschätzt, egal ob bei der Anspar- oder der Entnahmephase.
Mein Rat wäre: Rechne lieber mit 25 oder sogar 30 Jahren Entnahmephase, und geh bei der Rendite eher konservativ ran. Dann bist du auf der sicheren Seite.
Gute Frage, ich hab mich mit ähnlichem Thema beschäftigt als ich überlegt hab wie ich überhaupt realistisch anfangen soll zu sparen (dazu hab ich auch mal hier im Einstiegs-Thread geschrieben). Der größte Fehler den ich bei Entnahmerechnern gesehen hab: Die Leute geben eine fixe Rendite von 6-7% ein und dann nochmal denselben Wert für die Entnahmephase. Das ist unrealistisch weil du in der Entnahmephase deutlich konservativer investiert sein wirst oder sein solltest.
Außerdem vergessen viele die Steuern. Wenn du Anteile verkaufst fällt Abgeltungssteuer an, das frisst locker 25% deiner Gewinnanteile. Die meisten Standardrechner haben das gar nicht drin oder nur als Option.
Für unregelmäßige Entnahmen kenn ich ehrlich gesagt keinen wirklich guten fertigen Rechner – ich würd das mit einer einfachen Excel-Tabelle machen, da hast du mehr Kontrolle.