Ich beschäftige mich jetzt seit über 15 Jahren intensiv mit dem Kapitalmarkt und habe in dieser Zeit einiges miterlebt – Finanzkrise, Nullzinsphase, und zuletzt eben die Inflationswelle, die wir alle noch gut in Erinnerung haben sollten. Gerade im Sommer mit etwas mehr Zeit zum Nachdenken geht mir eine Frage nicht aus dem Kopf: Wie gut schützt das neue Altersvorsorgedepot ab 2027 tatsächlich gegen Inflation, wenn man primär auf ETFs setzt?
Klar, Aktien-ETFs gelten historisch gesehen als einer der besseren Inflationsschutz-Mechanismen – Unternehmen können Preise erhöhen, Sachwerte bleiben real wertvoll. Das kennen wir alle. Aber mich interessiert der spezifische Kontext der neuen Förderstruktur: Die staatliche Zulage erhöht zwar das investierte Kapital nominal, aber was bringt mir eine geförderte Einzahlung, wenn die reale Kaufkraft bis zur Rente trotzdem geschmälert wird?
Konkret: Setzt ihr bei ETF-Auswahl fürs Altersvorsorgedepot bewusst auf Positionen mit historisch guter Inflationsresistenz – also z.B. Value-lastige Indizes, Rohstoff-Exposure, REITs? Oder bleibt ihr bei einem breiten MSCI World / All-World und vertraut einfach auf die langfristige Marktrendite als natürlichem Puffer?
Mich würde eure Einschätzung interessieren, besonders von denen, die ähnlich lange dabei sind und verschiedene Inflationsphasen schon real erlebt haben – nicht nur auf dem Papier modelliert.
Guter Punkt, Markus W. Ich sehe das aus der Beratungspraxis heraus differenzierter: Die Förderung selbst ist inflationsneutral, richtig – aber sie erhöht einfach das Startkapital. Der echte Inflationsschutz muss dann über die Assetklassen kommen.
Bei meinen Mandanten fahre ich mit einem gemischten Ansatz ganz gut: Breiter MSCI World als Basis, aber mit bewusster Übergewichtung auf Faktoren, die historisch inflationär besser liefen. Value-Positionen, etwas Rohstoff-Exposure über einen breiteren Rohstoff-ETF, und ja – auch REITs, wobei die gerade nach der Zinswende interessanter werden.
Das Wichtigste ist aber der Zeithorizont. Bei 30+ Jahren bis Rente erledigt ein marktbreiter Ansatz die meiste Arbeit selbst. Die Inflation ist eingepreist und Unternehmen passen sich an. Meine Erfahrung aus den 70ern und 2022: Panik-Umschichtungen kosten mehr als die Inflation selbst.
Mein Tipp: Nicht überoptimieren beim Depot-Start. Lieber eine konsistente Quote fahren und dann jährlich überprüfen, ob die Zusammensetzung noch passt.