Ich bin ja eher skeptisch gegenüber den ganzen Altersvorsorge-Versprechungen, und jetzt lese ich überall, dass Tagesgeld im neuen Altersvorsorgedepot 2027 endlich "inflationssicher" sein soll. Aber ehrlich gesagt: Wenn die Inflation derzeit bei 2-3% liegt und ich mit Tagesgeld 3,5-4% brutto bekomme – nach Steuern bleiben mir dann real vielleicht 2,5% netto übrig. Das ist doch nur ein Hauch besser als früher, oder?
Meine Frage ist weniger technisch: Warum wird das Tagesgeld im neuen Depot als Inflationsschutz angepriesen, wenn die reale Rendite nach Steuern und Gebühren immer noch mikroskopisch klein ist? Und noch wichtiger: Falls ich später in die Auszahlungsphase gehe – kann ich mich da noch auf Tagesgeld verlassen, oder bin ich als Rentner mit Tagesgeld in einer Art Zinsfalle, wenn die Zinsen fallen?
Es geht mir weniger um Tipps, sondern um einen ehrlichen Realitäts-Check: Ist Tagesgeld beim AVD 2027 wirklich ein seriöser Inflationsschutz oder eher ein Marketing-Versprechen, das bei genauerem Hinschauen zusammenbricht?
Helmut B., frisch in Rente hier. Ich muss dich auf etwas hinweisen: Als Rentner verschärft sich das Problem noch. Wenn die EZB irgendwann wieder Zinsen senkt (und statistisch ist das wahrscheinlich), sacken die Tagesgeld-Konditionen dramatisch ab. Ich hab das bei mir erlebt: 2023 noch 4%, jetzt sinkt es wieder. In der Auszahlungsphase willst du Planungssicherheit, und Tagesgeld bietet die nicht. Deswegen beschäftige ich mich intensiv mit Entnahmeplänen, die intelligenter strukturiert sind als nur "Tagesgeld-Parken".
Werner-Kohl – ich sehe das wie du: Tagesgeld ist nie Inflationsschutz gewesen. Aber zwei Dinge: Erstens, beim neuen Depot hast du wenigstens die Förderung, die es ein bisschen aufpoliert. Zweitens: Im Übergangspuffer vor 2027 könnte Tagesgeld noch Sinn machen, weil du flexibel bleibst. Aber dauerhaft? Nein.
Markus B. hier – ich verstehe deine Skepsis, aber ich würde das etwas differenzierter sehen. Klar: Tagesgeld allein ist nie ein echter Inflationsschutz gewesen und wird es auch 2027 nicht sein. Das ist völlig richtig. Aber beim neuen Depot kommt ja die beitragsproportionale Förderung hinzu – und genau da liegt der Punkt: Wenn du z.B. 500 Euro monatlich sparst und 60 Euro Förderung erhältst (was realistisch ist), dann brauchst du auf dem Tagesgeld gar nicht soviel Rendite, weil die Förderung den realen Wertverlust schon teilweise kompensiert. Das ist bei der klassischen Riester so nicht gewesen. Trotzdem: Als reine Anlagestrategie über 30 Jahre? Dann hast du völlig recht – Tagesgeld reicht nicht aus.
Stefan W. hier. Ich analysiere das gerade systematisch für verschiedene Szenarien. Die ehrliche Antwort: Real verdienst du mit reinem Tagesgeld seit Jahren nichts. 3,5% nominal bei 2,5% Inflation = 1% real. Nach Abgeltungsteuer (26,375%) gehen nochmal 0,9 Prozentpunkte weg. Das ist mathematisch Netto-Null oder sogar negativ. Das Problem ist: Viele Sparer verwechseln Sicherheit mit Rendite. Tagesgeld ist sicher, aber es ist kein Inflationsschutz. Wer echten Inflationsschutz will, braucht Sachwerte oder Aktien. Beim AVD 2027 macht Tagesgeld also nur als Puffertranch Sinn, nicht als Kernstrategie.