Hallo zusammen,
mir ist aufgefallen, dass die meisten Renditerechner und Kalkulationen fürs neue Altersvorsorgedepot die Kosten für Rebalancing komplett außer Acht lassen. Das kann aber ordentlich ins Geld gehen, oder?
Bei meiner jetzigen Depotplanung rechne ich mit 70/30 Aktien/Anleihen. Wenn ich das Portfolio einmal im Jahr auf diese Gewichtung zurücksetze, fallen ja bei jedem Verkauf Ordergebühren an. Bei größeren Beträgen können das schnell 20-40€ pro Transaktion werden.
Jetzt im Sommer plane ich gerade meinen Wechsel ins AVD ab Januar und will realistische Zahlen haben. Rechne ich mit 2x pro Jahr Rebalancing und jeweils 3-4 Orders, sind das schon 120-160€ jährlich nur für die Umschichtung.
Bei einer 30-jährigen Ansparphase summiert sich das auf mehrere tausend Euro - das ist doch nicht vernachlässigbar?
Wie berücksichtigt ihr solche Kosten in euren Berechnungen? Gibt es Rechner, die das automatisch einbeziehen? Oder übertreibe ich und die Kosten sind in der Praxis niedriger?
Freue mich über eure Erfahrungen!
Viele Grüße
Wolfgang
Hi Wolfgang,
da hast du einen wichtigen Punkt angesprochen! Ich hab beim ETF-Sparplan-Thread auch schon gemerkt, dass viele die Nebenkosten unterschätzen.
Mein Tipp: Schau dir erstmal an, ob dein Broker überhaupt Gebühren für Rebalancing verlangt. Einige haben kostenlose Umschichtungen oder reduzierte Gebühren ab bestimmten Volumina.
Außerdem kannst du die Kosten senken, indem du seltener rebalancierst - alle 2 Jahre statt jährlich reicht oft. Und: Nutze die Sparpläne clever! Wenn Aktien untergewichtet sind, erhöhst du einfach den Aktien-Sparplan für ein paar Monate, statt zu verkaufen.
Bei meinen Berechnungen setze ich pauschal 0,1-0,2% p.a. für Rebalancing an. Das deckt die meisten Szenarien ab ohne zu übertreiben.
VG Claudia
Werter Wolfgang,
Ihre Überlegungen sind durchaus berechtigt. Aus meiner langjährigen Anlageerfahrung kann ich bestätigen: Transaktionskosten werden systematisch unterschätzt.
Allerdings sollten Sie bedenken, dass häufiges Rebalancing oft kontraproduktiv ist. Die Märkte haben langfristige Trends - wer zu oft eingreift, kappt diese vorzeitig.
Meine Empfehlung nach über 40 Jahren Kapitalanlage: Setzen Sie auf eine einfache Grundstruktur und lassen Sie diese weitgehend laufen. Ein 70/30-Portfolio braucht höchstens alle 2-3 Jahre eine Korrektur, nicht jährlich.
Die Kosten für seltenes Rebalancing sind dann vernachlässigbar - vielleicht 20-30€ alle paar Jahre. Wichtiger ist, dass Sie nicht durch ständiges Umschichten die natürliche Marktentwicklung behindern.
Einfachheit zahlt sich aus - sowohl bei den Kosten als auch bei der Rendite.
Hey Wolfgang!
Krasser Punkt, hab ich auch erst kürzlich gecheckt 😅 Bin grade dabei mein Depot für 2027 zu planen.
Da muss ich Gerhard aber bisschen widersprechen - bei längeren Bullenmärkten kann die Aktienquote schon mal auf 85% hochlaufen, das ist schon heftig vom Ziel-Allocation entfernt.
Mein Hack: Nutze ETF-Sparpläne für's Rebalancing! Wenn Anleihen untergewichtet sind, pausier ich den Aktien-Sparplan und lass nur Anleihen weiterlaufen. Kostet nix und gleicht sich langsam aus.
Und: Viele Neo-Broker haben mittlerweile kostenlose oder sehr günstige Umschichtungsmöglichkeiten. Bei Trade Republic z.B. nur 1€ pro Order.
Für die Berechnung: Ich rechne mit max 0,1% p.a. für Rebalancing-Kosten. Bei geschickter Nutzung der Sparpläne ist's oft sogar weniger.
Wolfgang, sehr gute Frage! Als jemand der schon länger dabei ist kann ich dir sagen: die meisten Privatanleger rebalancieren viel zu oft und zu teuer.
Meine Strategie seit Jahren: Core-Satellite mit einem großen ETF (World oder All-World) als Basis und kleineren Beimischungen. Dadurch muss ich deutlich seltener umschichten.
Bei den Kosten rechnest du richtig - 0,15-0,3% der Portfoliosumme jährlich sind realistisch für aktives Rebalancing. Das schmälert die Rendite durchaus merklich.
Alternativ: Schaue dir ETF-Dachfonds oder Multi-Asset-ETFs an. Die machen das Rebalancing intern, kosten aber etwas mehr TER. Oft trotzdem günstiger als selbst zu rebalancieren, besonders bei kleineren Depots.
Für realistische Kalkulationen nutze ich den Rechner von Portfolio Performance - da kann man solche Kosten manuell einpflegen.