Hey zusammen,
ich beschäftige mich gerade mit dem Thema Erdgas als Baustein im späteren Altersvorsorgedepot und bin ehrlich gesagt etwas hin- und hergerissen.
Der Hintergrund: Erdgaspreise schwanken ja ziemlich stark saisonal – im Sommer relativ günstig, im Winter dann oft deutlich teurer, weil die Nachfrage anzieht. Jetzt sitzen wir hier im Juli bei 35 Grad und Gaspreise sind vergleichsweise unten. Das macht mich neugierig ob man das irgendwie strategisch nutzen kann, also z.B. verstärkt im Sommer in einen Gas-bezogenen ETF einzahlen und von der saisonalen Preisbewegung zu profitieren.
Meine konkreten Fragen:
- Gibt es ETFs die wirklich gut Erdgaspreise abbilden, ohne dass man über Futures-Rollkosten massiv Rendite verliert?
- Ist so ein saisonales Timing überhaupt realistisch oder wird das am Ende zu einem teuren Spielchen?
- Macht Erdgas überhaupt Sinn im Kontext eines langfristigen Altersvorsorgedepots, wo ja mindestens 15-20 Jahre Haltedauer geplant sind?
- Wie schätzt ihr die politische Seite ein – Förderung für fossil-lastige Produkte?
Ich bin kein Profi, lese mich gerade erst tiefer ein. Würde mich über echte Einschätzungen freuen, keine Hochglanz-Antworten nötig 😄
Grüße
Tom
Ich hab mich in einem anderen Zusammenhang auch schon mit Rohstoff-ETFs und deren Tücken befasst – das Thema Rollkosten bei Futures-basierten Produkten ist dabei leider fast immer das zentrale Problem. Bei Erdgas ist das nochmal schlimmer als z.B. bei Öl, weil die Volatilität so extrem hoch ist. Die Rollkosten können je nach Marktstruktur (Contango vs. Backwardation) wirklich beachtlich sein und fressen potenzielle Saisongewinne oft komplett auf.
Das saisonale Timing klingt in der Theorie logisch, aber in der Praxis ist das Timing von Rohstoffpreisen selbst für Profis extrem schwierig. Ich würde da vorsichtig sein. Der Markt hat das meist schon eingepreist.
Zum Förderungsthema beim Altersvorsorgedepot 2027: Da ist aktuell noch nicht abschließend klar, ob und wie fossile Rohstoff-Produkte förderfähig sein werden. Das sollte man im Blick behalten, bevor man zu stark plant. Ich hatte das Thema politische Unsicherheit auch schon hier im Kontext der Startverzögerungen angesprochen – die Rahmenbedingungen können sich noch ändern.
Kurz gesagt: Saisonales Market Timing mit Gas-ETFs und einem 20-Jahres-Horizont kombinieren ist eigentlich ein Widerspruch in sich. Entweder du glaubst an den langfristigen Wert des Assets, dann kaufst du regelmäßig und schaust nicht auf den Kalender. Oder du willst kurzfristig von Preisschwankungen profitieren – das ist aber eher Trading als Altersvorsorge.