Hallo zusammen,
ich beschäftige mich gerade intensiv mit der Vorbereitung auf das neue Altersvorsorgedepot ab 2027. Eine Frage, die mich besonders umtreibt: Wie handhabe ich das Rebalancing bei einem so langen Anlagehorizont optimal?
Mein Plan ist ein 70/20/10 Portfolio (MSCI World / EM / Europa), aber ich bin unsicher bei der Rebalancing-Strategie. Soll ich das jährlich machen? Nur bei größeren Abweichungen (ab 5% oder 10%)? Oder vielleicht quartalsweise?
Bei den langen Laufzeiten bis zur Rente habe ich gelesen, dass häufiges Rebalancing die Rendite sogar schmälern kann, weil man immer die gerade gut laufenden Bereiche verkauft. Andererseits will ich natürlich nicht, dass sich mein Portfolio über die Jahre zu stark verschiebt.
Jetzt im Sommer nutze ich die ruhigere Zeit, um mich richtig in das Thema einzuarbeiten - schließlich soll ab Januar alles startklar sein. Hat jemand von euch schon eine durchdachte Strategie entwickelt? Welche Erfahrungen gibt es mit verschiedenen Rebalancing-Ansätzen bei langfristiger Altersvorsorge?
Besonders interessiert mich auch: Macht es Sinn, das Rebalancing an bestimmte Termine zu koppeln (Jahresende, Geburtstag) oder eher flexibel nach Marktlage zu handhaben?
Vielen Dank für eure Einschätzungen!
Guten Tag,
das Rebalancing sollte man bei einem derart langen Anlagehorizont sehr besonnen angehen. Aus meiner Erfahrung mit verschiedenen Anlageformen kann ich Ihnen raten: Weniger ist oft mehr.
Ein jährliches Rebalancing zum Stichtag 31.12. ist völlig ausreichend. Wichtiger als die Häufigkeit ist die Konsequenz - einmal festgelegt, sollte man dabei bleiben und sich nicht von kurzfristigen Marktschwankungen beirren lassen.
Bei der Schwellenwert-Methode (nur bei größeren Abweichungen handeln) besteht die Gefahr, dass man in Bullenmärkten zu lange wartet und dann emotionale Entscheidungen trifft. Ein fester Rhythmus ist psychologisch stabiler.
Denken Sie auch daran: Bei einem 30-jährigen Horizont sind die ersten 10-15 Jahre eh hauptsächlich Ansparphase mit kleineren Beträgen. Da spielt perfektes Rebalancing eine untergeordnete Rolle.
Hi C.Hoffmann,
tolle Frage! Ich hab mich auch intensiv mit dem Thema beschäftigt. Bei 30+ Jahren Anlagehorizont würde ich persönlich nicht zu häufig rebalancen - das kann wirklich die Rendite schmälern.
Mein Ansatz: Einmal jährlich zum Jahresende prüfen und nur rebalancen, wenn eine Position mehr als 10% von der Zielgewichtung abweicht. Also wenn deine 70% MSCI World auf 80%+ oder unter 60% rutschen.
Wichtig ist auch: In den ersten Jahren nach 2027 wirst du hauptsächlich durch neue Sparraten rebalancen können, ohne verkaufen zu müssen. Das ist viel effizienter! Bei den Kosten hatte ich ja schon mal geschrieben, dass jeder Trade Gebühren kostet.
Bei so langen Laufzeiten ist Zeit wichtiger als perfektes Timing. Lieber eine einfache, durchhaltbare Strategie als ständiges Rumoptimieren.
Hallo!
Ich sehe das etwas entspannter. Bei der langen Laufzeit bis zur Rente reicht meiner Meinung nach ein jährliches Rebalancing völlig aus. Quartalsweise ist definitiv zu oft - da zahlst du nur unnötig Gebühren.
Mein Plan: Immer zum Jahresanfang schauen und bei größeren Abweichungen (>15%) handeln. Kleinere Verschiebungen gleiche ich über die monatlichen Sparraten aus, das geht automatisch und kostenlos.
Einen festen Termin zu haben ist psychologisch gut - dann vergisst man es nicht und wird nicht emotional von aktuellen Marktbewegungen beeinflusst. Januar ist perfekt, weil dann auch die ganzen Steuerdokumente kommen und man sowieso seine Finanzen durchgeht.
Moin!
Ich bin bei sowas eher der technische Typ und automatisiere gern. Hab schon einen Excel-Sheet vorbereitet, der mir bei 5% Abweichung eine Warnung gibt. Dann entscheide ich situativ.
Bei volatilen Märkten kann das auch mal zweimal im Jahr sein, in ruhigen Phasen vielleicht nur alle 2 Jahre. Wichtig ist: Disziplin beim eigenen System.
Übrigens aufpassen: Das Depot wird ja erst ab 2027 verfügbar sein, aber die Märkte laufen trotzdem weiter. Nicht dass du zu spät einsteigst wegen Perfektionismus beim Rebalancing-Plan! 😉