Reale Kaufkraft sic...
 
Benachrichtigungen
Alles löschen

Reale Kaufkraft sichern: Lohnen sich inflationsgebundene Anleihen neben ETFs?

6 Beiträge
6 Benutzer
0 Reactions
13 Ansichten
H.Bergmann
Beiträge: 63
Themenstarter
(@h-bergmann)
Trusted Member
Beigetreten: Vor 5 Monaten
[#59]

Hallo zusammen,

ich beschäftige mich gerade intensiv damit, wie ich mein künftiges Altersvorsorgedepot ab 2027 gegen Inflation absichern kann. Draußen sind gerade 36 Grad, ich sitze mit dem Laptop im kühlsten Zimmer und grüble über Assetklassen – so verbringt man eben den Hochsommer wenn man keine Kinder mehr zuhause hat und die Frau im Freibad ist.

Konkret stellt sich mir die Frage: Inflationsindexierte Anleihen (TIPS aus den USA, oder auch europäische Linker) – haben die im Vorsorgedepot überhaupt eine Berechtigung, oder sind breit gestreute Aktien-ETFs langfristig die klar überlegene Wahl?

Mein Gedanke: TIPS bieten direkten, mechanischen Schutz gegen Inflation – der Kupon und das Kapital werden an den Verbraucherpreisindex angepasst. Bei Aktien-ETFs hängt der Inflationsschutz eher davon ab, dass Unternehmen Preiserhöhungen weitergeben können, was nicht immer funktioniert.

Andererseits: TIPS haben auf lange Sicht deutlich niedrigere Realrenditen als Aktien, zumindest historisch gesehen. Und bei 20-25 Jahren Anlagehorizont bis zur Rente frage ich mich, ob das überhaupt Sinn macht.

Gibt es hier Leute die einen TIPS-ETF oder Linker-ETF ernsthaft in ihr Vorsorgedepot einplanen? Oder ist das eher was für die letzten 5 Jahre vor Rentenbeginn? Ich würde gerne verstehen, wann die Kombination sinnvoll ist und wann nicht.

Danke schon mal!


5 Antworten
Markus B.
Beiträge: 2
(@steuerfuchs_1973)
New Member
Beigetreten: Vor 4 Monaten

Ich beschäftige mich schon länger mit Korrelationen zwischen Anlageklassen (hab das im Korrelations-Thread ausführlich diskutiert), und da ist TIPS tatsächlich interessant.

Die Korrelation zwischen inflationsindexierten Anleihen und Aktien ist in bestimmten Marktphasen sehr gering bis negativ – das heißt, die können zur Portfoliostabilität beitragen, selbst wenn die Rendite für sich genommen mager ist. Das ist der diversifikationstheoretische Argument für eine kleine Beimischung.

Aber – und das ist wichtig – das gilt nur wenn du auch wirklich ein gemischtes Portfolio anstrebst. Wenn du eh alles in Aktien-ETFs steckst, ist die Frage ob 5% Linker-ETF den Unterschied machen ob nicht. Wahrscheinlich nicht spürbar.

Steuerlich gibt es beim Altersvorsorgedepot 2027 ja die nachgelagerte Besteuerung, das gilt für Anleihen-ETFs genauso wie für Aktien-ETFs. Da ist kein struktureller Nachteil für Anleihen im Depot, anders als im normalen Depot wo die Zinserträge sofort versteuert werden.

Unterm Strich: Kleine Beimischung erst ab ca. 10 Jahre vor Rente wäre mein steuerlich und renditemäßig sinnvoller Ansatz.


Antwort
Moritz H.
Beiträge: 24
(@moritzhagedorn)
Eminent Member
Beigetreten: Vor 4 Monaten

Ich hab mich bei der Anbieterwahl auch viel mit der Produktstruktur auseinandergesetzt (Thread dazu: Depot eröffnen: Online-Anbieter oder Hausbank wählen?), und was ich dabei gelernt hab: Viele Anbieter werden für 2027 ohnehin ein recht begrenztes Produktuniversum anbieten, zumindest anfangs. Ob da überhaupt TIPS-ETFs oder Linker-ETFs zur Auswahl stehen, ist noch gar nicht klar.

Zum inhaltlichen Punkt: Ich sehe das ähnlich wie Zweifler_1978. Bei einem langen Anlagehorizont bringt dir die Inflationsindexierung von Anleihen wenig, wenn die Realrendite nach Kosten und Steuern bei unter einem Prozent liegt. Aktien haben Inflation historisch nicht nur ausgeglichen, sondern deutlich übertroffen.

Der interessante Anwendungsfall für Linker wäre meiner Meinung nach, wenn du kurz vor dem Renteneintritt bist und einfach keine Zeit mehr hast, einen schlechten Aktienmarkt auszusitzen. Dann könnte so eine Komponente sinnvoll sein. Aber als Kerninvestment für Jahrzehnte? Da bin ich skeptisch.


Antwort
Markus B.
Beiträge: 27
(@zweifler_1978)
Eminent Member
Beigetreten: Vor 4 Monaten

Ich hab mich mit dem Thema Förderung bei Arbeitgeberwechsel befasst (wie ihr vielleicht aus dem Thread Förderung bei Arbeitgeberwechsel – was ändert sich steuerlich genau? wisst), aber zu TIPS hab ich ehrlich gesagt eine skeptische Haltung.

Das Problem mit inflationsgebundenen Anleihen ist doch: Sie schützen dich gegen Inflation, aber sie bringen kaum reale Rendite. Du erkaufst dir die Sicherheit mit Verzicht auf Wachstum. Für ein Vorsorgedepot das 20+ Jahre läuft, halte ich das für suboptimal – da hat die Vergangenheit eindeutig gezeigt, dass Aktien inflationsbereinigt deutlich mehr gebracht haben.

Und noch was: TIPS sind an den US-amerikanischen CPI gekoppelt. Wenn du in Deutschland lebst und hier konsumierst, ist das schon mal eine Basis-Unschärfe. Europäische Linker wären da noch passender, aber auch die haben dieselbe Grundproblematik mit der mageren Realrendite.

Kurz gesagt: Ich würde TIPS frühestens 5-7 Jahre vor Rentenbeginn als Beimischung in Betracht ziehen. Vorher erscheint mir ein globaler Aktien-ETF als Inflationsschutz langfristig die überlegene Wahl.


Antwort
A.Bergmann
Beiträge: 62
(@a-bergmann)
Trusted Member
Beigetreten: Vor 5 Monaten

Hallo, ich bin auch gerade in der Planungsphase und hab mir das Thema von einer anderen Seite angeschaut (ich hatte mal bei Jobwechsel, Freelance-Boom, KI-Umbruch – bleibt die Förderung 2027 stabil? geschrieben, weil mich die Stabilität des Förderrahmens beschäftigt).

Ich glaube der entscheidende Punkt ist: Was genau schützt du mit TIPS? Du schützt dich gegen unerwartete Inflation. Wenn die Inflation schon eingepreist ist, bringt dir ein TIPS gegenüber einer normalen Anleihe quasi gar nichts extra. Das heißt, du zahlst sozusagen eine Art Versicherungsprämie.

Bei Aktien ist das anders – die profitieren zwar nicht automatisch von Inflation, aber gute Unternehmen können Preise erhöhen und damit Margen verteidigen. Und über 20-25 Jahre gleicht sich das aus.

Meine persönliche Planung: Ich werde mit einem breiten Aktien-ETF starten und das Thema Anleihen erst angehen wenn ich näher an die Rente komme. TIPS kommen für mich frühstens 10 Jahre vorher in Frage, und auch dann nur als kleiner Puffer.


Antwort
Seite 1 / 2
Teilen: